Die Fachpresse hat wieder einmal die Köpfe zusammengesteckt und die Elf des Jahres nominiert. In diese Elf schaffen es jedes Jahr nur die Top-Talente und eifrigsten Teamplayer. Dem Redaktionsteam der FWK-Frauen liegt die Liste der Nominierten vorab vor und wir können nun exklusiv berichten. Ausschlaggebend waren neben gelaufener Kilometer, geschobener Schubkarren und gezogener Kabel dieses Mal auch zwischenmenschliche Qualitäten. Wenig überraschend, dass es dieses Mal vor diesem Hintergrund Zlatan Ibrahimovic nicht in die Elf des Jahres geschafft hat. Einige Überraschungen sind dennoch dabei.
„Wir wissen, dass es immer Diskussionen um die Elf des Jahres geben wird“, hatte der anonyme Jury-Vorsitzende bereits im Vorfeld gesagt. Dass es dabei gerade auf der Position des linken Sechsers und der Doppel-Neun aber am Ende diese Aufstellung geworden ist, hat selbst Insider überrascht. Auch bei den beiden Außenverteidigern wurde offenbar weniger auf Geschwindigkeit und mehr auf Fleiß geachtet. Besonders verwegen erscheint uns aber die Position im linken Mittelfeld. Dass selbst eine Spielerin aus dem Handball besser ist als das, was die Liga derzeit zu bieten hat, sagt so ziemlich alles über die Lage im aktuellen Fußball-Deutschland aus. Lediglich die Position der Keeperin war hier keine sonderliche Überraschung. Immerhin ist sie seit Jahren unangefochten und stellt somit das moralische Rückgrat des Teams dar. Wir haben uns die Begründungen der Jury für jede Nominierung einmal genauer angesehen und kommentieren hier und da, wo es uns für Korrekturen dringend notwendig erscheint.
Tor
Kati profitiert davon, in ihrer Rolle unangefochten zu sein und ist zudem komplett unabhängig von hanebüchenen Vorstandsgebahren. Zeichnet sich als Vertrauensperson durch unbedingte Loyalität für die Spielerinnen aus und ist sich auch für einen Hechtsprung in die Schusslinie nie zu fein. Führt ruhig und beständig und flippt allenfalls aus, wenn Feldspielerinnen die von ihr trainierten Keeperinnen im Stich lassen. Noch nominiert: Ann-Kathrin Berger, konnte sich aber aufgrund mangelnder Reaktionsgeschwindigkeit nicht durchsetzen.
Linker AV
Wesentliche Frage von Dimitri bei jeder Teambesprechung ist: „Bis wann?“. Nun wir schlagen vor, dass spätestens zu Spielbeginn alles soweit fertig ist. Und das nimmt Dimitri sehr ernst und man sieht ihn noch wenige Minuten vor Spielbeginn seelenruhig die Linien abstreuen. Bleibt vermutlich auch dann gelassen, wenn der Schiri bereits angepfiffen hat und die Spielerinnen um den Streuwagen herumdribbeln müssen. Wundert sich ansonsten öfter über die Einkäufe des Vorstands. Also beim Obi, nicht auf dem Transfermarkt. Auch nominiert: McGyver und Bob, der Baumeister. Waren aber beide nicht hinreichend handwerklich begabt.
Linker IV
Obwohl zumindest nicht nachweislich verwandt, teilt Danny mit Dimitri nicht nur den ersten Buchstaben des Vornamens, zudem weisen beide auch die gleiche Leistungsklasse im Ruhe bewahren auf. Gelegentlich schaut sogar die Gelassenheit bei Danny vorbei, um sich wieder zu beruhigen. Besondere Spezialität sind Räder montieren, gute Laune verbreiten und sich ansonsten als Vorstand um jeden Quadratmillimeter des Sportparks zu kümmern. Auch nominiert: Stefan Effenberg, konnte aber in puncto Gelassenheit nicht ganz mithalten.
Rechter IV
Spielt eigentlich lieber im Tor, was aber im modernen Profifußball nur möglich ist, wenn sich gerade alle Keeper:innen des Universums verletzen. Spielt überaschend zackig und technisch versiert, was ihm eine gewisse Autorität auf dem Platz verschafft hat, insbesondere bei seinem Sohn, der jetzt auch Nicht-Torwart werden will. Als sportlicher Leiter des Nachwuchsförderzentrums eine Koryphäe für die Entwicklung von Spielformen und während andere als Dreijährige im Sandkasten gespielt haben, war es bei Jonathan mit Sicherheit ein SCORE-Court Größe S, M und L. Auch nominiert: Pep Guardiola, hat beim Taktiktest aber nur 73 Prozent erreicht und lag damit 27 Prozentpunkte hinter Jonathan.
Rechter AV
Wurde nominiert, weil er in der Regel nicht für schlappe 90 Minuten auf den Heuchelhof fährt, sondern grundsätzlich längere Arbeitszeiten erwartet. Unter sieben Stunden Platz-Maloche werden mit erheblichem Missmut quittiert. Wurde dabei beobachtet, wie er heimlich Schubkarren schiebt, pflastert, WCs reinigt, Mülleimer entleert und den Platz aufräumt – und zwar alles gleichzeitig. Verschwörungstheoretiker vermuten, Stephan ist entweder ein Alien oder aber der Herrscher über das Raum-Zeit-Kontinuum. Auch nominiert: Dr. Strange, der aber zu wenige parallele Universen gleichzeitig beherrscht.
Linkes Mittelfeld
In Ermangelung an eines Top-Talents, dass sich gleichzeitig selbst die Finger stauchen und anderen die Gelenke bandagieren kann, hat es mit Anna eine hochklassige Sportlerin in die Elf des Jahres geschafft. Wohlgemerkt als Handballerin. Verliert auf dem Handball-Schlachtfeld die ihr sonst genetisch verlötete Fröhlichkeit und mutiert zu einer Persönlichkeit, auf die selbst Mr. Hyde neidisch rüberschielen würde. Erledigt ihre Arbeit als Physiotherapeutin ansonsten mit einer Seelenruhe und wartet grundsätzlich ab, ob eine am Boden liegende Spielerin sich noch regt. Falls nein, hilft der kalte Schwamm. Auch nominiert: Dr. House, der spielt aber kein Handball und ist auch sonst etwas weniger fröhlich.
Linke Sechs
Sollte man jetzt zwar einerseits nicht zu ernst nehmen. Andererseits wird gemunkelt, Vadim habe zu seiner aktiven Zeit gerne den gegnerischen Fuß gerne mustergültig-beamtenrechtlich gestempelt, um dann selbst brüllend vor Schmerz zu Boden zu fallen. Gab diesen Tipp auch seiner Tochter Leonie, die das profunde und stets faire Profiwissen des Vaters nun selbst als Trainerin weitergibt. Sorgt ansonsten am Spieltag für Recht und Ordnung, baut akribisch alle Absperrungen auf, deren Sinn er nicht ganz zu unrecht immer mal wieder komisch bis bekloppt findet und gefällt ansonsten durch vornehme Zurückhaltung. Auch nominiert: der Türsteher jeder beliebigen Disco, sehen aber nicht annähernd so gefährlich wie Vadim aus.
Rechte Sechs
Als neulich mal wieder eine Aufgabe in der Ecke herumstand und nicht so recht wusste, wohin mit sich, hat Fabian sich ihrer angenommen. Ach was, auf sie gestürzt trifft es besser. Die arme Aufgabe war völlig überfordert damit, wie schnell sie erledigt wurde. Fabians Engagement als Vereinsmanager ist das organisationstheoretische Pendant zum Subway-Surfer. Mit dem Unterschied, dass Fabian in jede Aufgabe im Vollsprint reinrasselt, statt ihr auszuweichen. Auch nominiert: Lucky Luke, aber der schießt nur schneller als sein Schatten.
Rechtes Mittelfeld
Wenn man Mareen fragt, was sie am liebsten macht, würde sie vermutlich sofort auf ihre Sportklasse zu sprechen kommen. Also nicht auf ihre eigene Sport-Klasse, die hat sie lange genug auf dem Platz gezeigt. Sondern ihre Sportklassen im Ursulinen und in gleichem Atemzug werden sicher auch ihre NFZ-Mädels genannt werden. Denn als pädagogische Leitung des Nachwuchsförderzentrums bringt sie soviel Empathie mit, dass sich sogar Teddybären wünschen, eine eigene Mareen zu haben. Auch nominiert: Momo, kann aber nicht annähernd so gut zuhören.
Falsche Neun
War ja klar, dass ausgerechnet der Ägypter zur falschen Neun erklärt wird. Aber nur, weil seine Amtskollegen Salah und Marmoush in ähnlicher Rolle erfolgreich sind. Wir würden Abdelrahmen auch gerne für 75 Millionen verhökern, werden ihn aber beim besten Willen nicht los. Also behalten wir ihn als unfassbar energetischen und gleichsam kompetenten Athletiktrainer, dessen größte Freude im Leben das Leiden seiner Spielerinnen ist. Auch nominiert: Mo Salah, erweist sich aber zusehends nicht als Teamplayer.
Richtige Neun
Haarfarbe wie Harry Kane und wenn wir es nicht besser wüssten, definitiv charakterlich dessen kleine Schwester. Sofia ist nicht nur Athletik-Trainerin, sondern darüber hinaus und vor allem unfassbar bescheiden, hilfsbereit und zu allem Überdruss auch von Kane’scher Effizienz. Dort, wo sie loslegt, landet sie lauter gut trainierte Spielerinnen. Weiss als angehende Ärztin, wo es lang geht. Dummerweise ab der kommenden Saison in der Schweiz. Wurde dennoch anstelle aller aktuellen und früheren Friedensnobelpreis-Trägerinnen nominiert.
Trainer:in
Hier wurde letztlich die Jury-Sitzung vorzeitig abgebrochen, denn statt Argumenten flogen am Ende Taktiktafeln und Slalom-Stangen. Grund war die Unfähigkeit, sich unter den insgesamt zwei Dutzend Trainer:innen des Vereins auf einen zu einigen. Sogar von FIFA-esken Bestechungen im Vorfeld der Wahl wurde gemunkelt. Die DFB-Vertreter wussten aber von nichts und beteuern, um der Sache willen in den FIFA-Gremien rumzulümmeln. Letztlich und nach zahlreichen veritablen Prügeleien einigte man sich wohl auf eine Kollektivauszeichnung für alle Trainer:innen der FWK-Frauen. Auch nominiert: Sandro Wagner, war aber auf keiner der relevanten Positionen gleich gut besetzt wie die Trainerbänke der FWK-Frauen.