Zwei Standards, zwei Tore, drei Punkte und am Ende eine gehörige Portion Widerstandskraft: Die FWK-Frauen gewinnen beim SV Frauenbiburg mit 2:1 (2:0) und feiern ihren ersten Auswärtssieg der Bayernliga-Saison. Jule Dickmeis und Tamira Stegmann sorgen früh für klare Verhältnisse, ehe es nach dem Anschlusstreffer und einem Platzverweis noch einmal richtig spannend wird. Der Lohn: 16 Punkte und Tabellenplatz fünf.
Es gibt Fußballspiele, die gewinnt man mit spielerischer Eleganz. Andere mit taktischer Disziplin. Und manchmal braucht es vor allem die Fähigkeit, im entscheidenden Moment das Richtige zu tun und anschließend ziemlich lange dafür zu arbeiten, dass es auch das Richtige bleibt. Beim SV Frauenbiburg entschieden sich die Kickers-Frauen für letztere Variante. Nach vier Auswärtsspielen ohne Punktgewinn belohnte sich die Mannschaft von Headcoach Marius Wiederer endlich auch in der Fremde. Und das ausgerechnet gegen einen Aufsteiger, der zuletzt mit beachtlichen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Zwei Standards und eine ausgesprochen erfreuliche Halbzeitbilanz
Auf einem schwer zu bespielenden Rasen entwickelte sich zunächst kein Spiel für fußballerische Feinschmeckerinnen. Doch die Erste hatte eine ziemlich wirksame Idee, wie man unter solchen Bedingungen erfolgreich sein kann: Standardsituationen konsequent nutzen. In der 17. Minute war es Jule Dickmeis, die die Würzburgerinnen mit 1:0 in Führung brachte. Und weil sich gute Ideen bekanntlich wiederholen lassen, legte Tamira Stegmann in der 35. Minute das 2:0 nach.
Zwei Treffer innerhalb von 18 Minuten, beide nach ruhenden Bällen. Das war keine zufällige Laune des Fußballgottes, sondern Ausdruck konsequenter Chancenverwertung. Die Kickers-Frauen spielten konzentriert, verteidigten geschlossen und ließen den Gastgeberinnen vor der Pause wenig Raum, ihre eigenen Stärken zu entfalten. Frauenbiburg fand kaum ins Spiel, während Würzburg mit einer beruhigenden Führung in die Kabine ging.
Wobei beruhigend im Fußball bekanntlich ein Begriff mit ausgesprochen begrenzter Halbwertszeit ist.
Erst der Anschluss, dann der Platzverweis
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Frauenbiburg den Druck. Die Gastgeberinnen agierten entschlossener, suchten häufiger den Abschluss und kamen in der 68. Minute durch Tamara Schneider zum 1:2. Damit war eine Begegnung, die lange nach einem kontrollierten Auswärtserfolg ausgesehen hatte, plötzlich wieder völlig offen.
Fünf Minuten später wurde die Aufgabe noch anspruchsvoller. Pauline Wünsch sah in der 73. Minute die Rote Karte. Die Kickers-Frauen mussten den knappen Vorsprung damit über 20 Minuten einschließlich Nachspielzeit in Unterzahl verteidigen. Keine besonders angenehme Ausgangslage, wenn der Gegner gerade neuen Mut geschöpft hat und unbedingt den Ausgleich erzwingen möchte.
Doch genau jetzt zeigte die Mannschaft, was sie in den vergangenen Wochen bereits gegen Spitzenreiter Wacker München ausgezeichnet hatte: Zusammenhalt, defensive Disziplin und die Bereitschaft, füreinander zu arbeiten. Die Erste ließ sich weder von der numerischen Unterlegenheit noch von der zunehmenden Intensität aus der Ruhe bringen. Die Defensive hielt stand, die gesamte Mannschaft arbeitete gegen den Ball und brachte den Vorsprung über die Zeit.
Viele Tacklings und eine bemerkenswerte Effizienz
Ein Blick auf die Spielstatistik unterstreicht, wie umkämpft diese Partie tatsächlich war. Frauenbiburg verzeichnete 15 Schüsse gegenüber zehn der Kickers-Frauen. Auch bei den erfassten Angriffsversuchen lagen die Gastgeberinnen mit 16:12 vorne. Dafür entschieden die Würzburgerinnen das Eckballverhältnis mit 6:4 für sich und kamen auf bemerkenswerte 45 Tacklings gegenüber 35 aufseiten der Gastgeberinnen.
Die Zahlen erzählen damit zwei Geschichten. Frauenbiburg hatte seine offensiven Momente, doch Würzburg nutzte die eigenen Gelegenheiten konsequenter und investierte gerade defensiv enorm viel. Wer Fußball ausschließlich nach der Anzahl der Abschlüsse bewertet, hätte möglicherweise auf ein anderes Ergebnis getippt. Glücklicherweise werden in der Bayernliga weiterhin Tore gezählt und keine Schussversuche.
Entsprechend zufrieden zeigte sich Headcoach Marius Wiederer: „Ich bin enorm stolz auf die geschlossene Teamleistung.“ Besonders hob er die konsequente Defensivarbeit und die erfolgreiche Ausführung der eigenen Standards hervor. Drei ruhende Bälle hatten letztlich über die drei Treffer des Spiels entschieden. Dass seine Mannschaft den knappen Vorsprung auch in Unterzahl behauptete, machte diesen Erfolg umso wertvoller.
Der Blick geht wieder nach oben
Mit dem Auswärtssieg haben die Kickers-Frauen nicht nur eine unangenehme Serie beendet, sondern sich auch in der Tabelle eine erfreulichere Ausgangsposition verschafft. Nach zehn Spieltagen stehen fünf Siege, ein Unentschieden und 16 Punkte zu Buche. Damit verbessert sich die Erste auf Rang fünf der Bayernliga, punktgleich mit dem FC Ingolstadt II.
Noch interessanter ist allerdings die jüngste Entwicklung. Dem bemerkenswerten 1:1 gegen den bis dahin makellosen Tabellenführer Wacker München folgt nun ein hart erarbeiteter Auswärtserfolg. Zwei Spiele, vier Punkte und vor allem die Erkenntnis, dass die Mannschaft auch unter schwierigen Bedingungen Ergebnisse erzielen kann.
Am kommenden Sonntag, 8. November, empfängt die Erste den FC Ezelsdorf am Heuchelhof. Dort sind die Kickers-Frauen in dieser Saison bekanntlich noch ungeschlagen. Dass nun auch auswärts endlich drei Punkte auf dem Konto stehen, dürfte die Vorfreude auf die nächste Aufgabe zusätzlich steigern.
Und sollte beim nächsten Spiel wieder eine Standardsituation den Unterschied machen, wird sich in Würzburg vermutlich niemand beschweren. Schließlich heißen sie Standards, weil man sie beherrschen sollte. Die Kickers-Frauen haben in Frauenbiburg eindrucksvoll gezeigt, wie das geht.
Foto: Paul Zottmann