Nach Platz vier und nur einem Punkt Rückstand auf die Vizemeisterschaft starten die FWK-Frauen Ende August in ihre nächste Bayernliga-Saison. Der Kader ist jung, der Anspruch hoch – und die vielleicht bemerkenswerteste Zahl steht in keiner Tabelle: Einige der jüngsten Spielerinnen tragen das FWK-Trikot bereits seit einem Jahrzehnt.
Felina Hommel ist 18 Jahre alt. Und seit 2014 bei den Kickers. Hannah Schumann ist 19 und spielt seit 2015 am Heuchelhof. Jule Mühl, ebenfalls 19, kam 2016. Mia Wald ist gerade einmal 18 – und trotzdem schon seit acht Jahren Teil des Vereins. Wer verstehen will, mit welcher Idee die FWK-Frauen in die Bayernliga-Saison 2026/27 gehen, muss eigentlich nur diese vier Lebensläufe nebeneinanderlegen. Jung ist dieser Kader. Neu ist er deshalb noch lange nicht.
22 Spielerinnen umfasst das aktuelle Aufgebot von Headcoach Marius Wiederer. Das Durchschnittsalter liegt zu Saisonbeginn bei gerade einmal rund 22 Jahren und neun Monaten. Sieben Spielerinnen sind noch Teenager, neun höchstens 20 Jahre alt. Die Jüngste, Paula Laub, wurde im Mai 17. Neben ihr stehen mit Hommel und Wald zwei 18-Jährige sowie mit Jule Mühl, Karolina Sajevic, Hannah Schumann und Anna Luisa von Rhein vier Spielerinnen der Jahrgänge 2006 und 2007 im Kader. Das klingt nach Umbruch. Tatsächlich beschreibt es eher ein Prinzip.
Jung heißt am Heuchelhof gleichzeitig sehr erfahren im Verein
Denn während andernorts ein junger Kader häufig bedeutet, im Sommer möglichst viele Talente zusammenzusuchen, wächst ein beträchtlicher Teil dieser Mannschaft seit Jahren innerhalb derselben Strukturen. Hommel kommt aus keinem anderen Verein und trägt seit zwölf Jahren das FWK-Trikot. Mühl ebenfalls ohne vorherige Vereinsstation seit 2016. Torhüterin Schumann kam 2015, Wald 2018. Karolina Sajevic ist seit 2021 dabei, Lisa Schindler ebenfalls.
Und dann sind da jene, die sportliche Erfahrung und Vereinskultur zusammenhalten. Kapitänin Sarah Zottmann gehört seit 2018 zum Klub, ebenso Lara Wagner und Laura Gerst. Und Jule Dickmeis geht als erfahrene Spielerin bereits in ihr siebtes Jahr am Heuchelhof. Alle bringen sie die Erfahrung aus der Zeit der 2. Frauen-Bundesliga vor fünf Jahren mit. Es entsteht damit eine durchaus seltene Mischung: Junge Spielerinnen müssen nicht erst lernen, was dieser Verein sein möchte. Viele von ihnen sind mit dieser Idee groß geworden.
Die Vorsitzende Gudrun Reinders hat diese Linie bereits vor drei Jahren bemerkenswert eindeutig formuliert: „Wir können in den höheren Ligen im Leistungsbereich langfristig nur bestehen, wenn wir auf den eigenen Nachwuchs setzen.“ Damals befand sich der Verein noch mitten im Übergang zwischen Juniorinnen- und Frauenfußball. Heute lässt sich an der Zusammensetzung der Ersten ablesen, was damit gemeint war. Der Nachwuchs ist bei den FWK-Frauen kein Unterbau, den man pflegt, weil sich das für einen Verein gehört. Er soll die sportliche Zukunft der ersten Mannschaft sein.
Dass diese Idee inzwischen institutionell verankert ist, zeigt auch die im März vorgestellte VISION2030. Dort wird die Akademie ausdrücklich als strategisches Herzstück beschrieben: mit einem durchgängigen Entwicklungsweg von der U12 über U14 und U16 bis zur U23, ergänzt durch Monitoring, Videoanalyse und individuelle Förderung.
Ein Punkt fehlte zur Vizemeisterschaft
Sportlich startet dieser Entwicklungsprozess allerdings längst nicht mehr aus einer Außenseiterposition. Die vergangene Bayernliga-Saison endete für Würzburg auf Rang vier: 22 Spiele, 13 Siege, 40 Punkte, 48:33 Tore. Meister Ruderting spielte mit 61 Punkten in einer eigenen Liga und stieg in die Regionalliga auf. Dahinter aber lagen Stern München und Forstern mit jeweils 41 Punkten – exakt einen Zähler vor den FWK-Frauen.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Wer nur auf Platz vier schaut, sieht eine gute Saison. Wer auf die Abstände schaut, erkennt, wie nahe Würzburg bereits an der unmittelbaren bayerischen Spitze angekommen ist. Und es gab jene Spiele, in denen dieses Potenzial ziemlich unübersehbar wurde. Im Oktober gewannen die FWK-Frauen beim späteren Vizemeister Stern München ein vollkommen wildes Fußballspiel mit 6:5. Beim 3:1 gegen den 1. FFC Hof drehten sie einen frühen Rückstand. Im November wurde Ingolstadt II mit 5:0 besiegt, Eslem Yüksel traf dreimal. Und Ende April schlugen die Würzburgerinnen Stern München auch im Rückspiel mit 1:0 und rückten dadurch auf Rang drei vor.
Das waren keine einzelnen Zufallstreffer eines Underdogs. Würzburg konnte die Mannschaften aus der Spitzengruppe schlagen. Die vergangene Saison erzählte allerdings auch die andere Seite einer jungen Mannschaft. Nach der Winterpause ging beim 1:1 in Nürnberg eine Führung erst in der 90. Minute verloren. Anfang April folgte ein 0:1 beim TSV Theuern, eine Woche später ein weiteres 0:1 im direkten Duell mit Forstern. Genau dort blieben jene Punkte liegen, die am Ende zwischen Rang vier und Rang zwei lagen. Die naheliegende Aufgabe für 2026/27 heißt deshalb nicht, alles neu zu erfinden. Sie heißt: stabiler werden.
Aus Talent muss Verlässlichkeit werden
Das gilt umso mehr, weil sich die Erwartungshaltung verändert hat. Vor einigen Jahren konnte ein extrem junges Würzburger Team Erfahrungen sammeln und Entwicklung als wichtigstes Ergebnis verbuchen. Inzwischen hat diese Mannschaft nachgewiesen, dass sie im oberen Drittel der Bayernliga nicht nur mitspielen, sondern direkte Konkurrenten schlagen kann.
Entwicklung und Ergebnis lassen sich deshalb nicht mehr gegeneinander ausspielen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, beides zusammenzubringen. Wiederer formulierte das während der Vorbereitung nach dem internationalen Test bei den Prague Raptors fast wie eine Arbeitsbeschreibung für die neue Saison. Gegen den tschechischen Erstliga-Aufsteiger verloren die FWK-Frauen zwar 1:3, stabilisierten sich nach einem schwierigen ersten Drittel aber deutlich. Sein Fazit: „Solche Begegnungen zeigen sehr präzise, was bereits funktioniert und woran wir weiterarbeiten müssen.“
Genau darin dürfte der Reiz dieser Mannschaft liegen. Sie ist jung genug, um noch beträchtliches Entwicklungspotenzial zu besitzen – und inzwischen erfahren genug, damit Entwicklung nicht mehr mit Beliebigkeit verwechselt werden darf. Dabei wird es nicht darum gehen, eine 17-jährige Paula Laub, eine 18-jährige Felina Hommel oder Mia Wald sofort zu Leistungsträgerinnen erklären zu müssen. Nachwuchsförderung funktioniert gerade dann, wenn junge Spielerinnen nicht deshalb aufgestellt werden, weil ihre Geburtsjahre gut in ein Vereinskonzept passen. Sie müssen sich ihre Minuten verdienen können – aber sie müssen eine realistische Chance auf diese Minuten bekommen. Der aktuelle Kader schafft dafür die Voraussetzung.
Die erfahrenen Spielerinnen bekommen dabei eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Zottmann, Wagner, Wünsch, Stegmann, Blum oder Yüksel bilden das Gerüst, in dem sich jüngere Spielerinnen entwickeln können. Die interessante Frage dieser Saison lautet deshalb weniger, ob Würzburg einen jungen oder einen erfahrenen Kader hat. Es geht darum, ob beide Teile zu einer Mannschaft werden, die über 22 Spieltage verlässlich funktioniert.
Der erste Gegner passt fast zu gut
Der Spielplan liefert für diese Frage gleich zum Auftakt eine ziemlich treffende Versuchsanordnung. Am 29. August um 16 Uhr beginnt die Bayernliga-Saison für die FWK-Frauen auswärts beim FC Forstern. Ausgerechnet Forstern. Jene Mannschaft also, die 2025/26 mit 41 Punkten einen Rang und einen Punkt vor Würzburg landete und im April das direkte Duell am Heuchelhof mit 1:0 gewann. Viel passender kann ein erster Gradmesser kaum sein.
Auch die Liga selbst sortiert sich neu. Meister Ruderting spielt künftig in der Regionalliga, Bad Aibling und Schwaben Augsburg sind abgestiegen. Dafür kommt der FFC Wacker München aus der Regionalliga herunter; FC Ezelsdorf und SV Frauenbiburg komplettieren das Feld. Stern München, Forstern, Ingolstadt II, Nürnberg II und Hof bleiben bekannte Konkurrenten um die vorderen Plätze. Eine einfache Saison dürfte daraus nicht werden. Eine interessante sehr wohl.
Denn mit Ruderting ist die Mannschaft verschwunden, die im Vorjahr 20 ihrer 22 Spiele gewann und 21 Punkte vor Würzburg lag. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Weg nach ganz oben frei ist. Es bedeutet aber, dass sich die Kräfteverhältnisse neu ordnen werden. Und dass eine Mannschaft, die 2025/26 nur einen Punkt hinter Rang zwei lag, keinen Grund hat, ihre eigenen Ambitionen kleinzureden.
Bayerischer Spitzenverein – aber auf die eigene Art
Das Ziel für die neue Saison lässt sich deshalb präziser formulieren als mit einem bestimmten Tabellenplatz: Die FWK-Frauen wollen sich dauerhaft als bayerischer Spitzenverein etablieren. Nicht durch einen kurzfristig zusammengestellten Kader, sondern über Strukturen, Ausbildung und eine Spielidee, die über mehrere Jahre trägt. Das ist der schwierigere Weg. Vielleicht aber auch der nachhaltigere.
Dass Entwicklung Zeit benötigt, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Dass sie Ergebnisse hervorbringen kann, ebenfalls. Spielerinnen wie Hommel, Schumann oder Mühl sind dafür inzwischen fast symbolische Figuren: jung genug, um noch am Beginn ihrer Laufbahn im Frauenfußball zu stehen – und gleichzeitig so lange im Verein, dass man bei ihnen kaum noch von Neulingen sprechen kann. Darin steckt womöglich die eigentliche Besonderheit dieses Kaders.
Die FWK-Frauen müssen für die neue Saison keine neue Geschichte erfinden. Sie müssen die alte konsequent weitererzählen: Talente ausbilden. Ihnen den Übergang in den Frauenfußball zutrauen. Erfahrene Spielerinnen als sportliche und kulturelle Fixpunkte halten. Und aus einzelnen starken Auftritten jene Konstanz entwickeln, die im vergangenen Jahr noch einen Punkt zur Vizemeisterschaft gekostet hat. Am 29. August steht die Tabelle wieder bei null. Die Mannschaft, die dort hineinstartet, beginnt allerdings keineswegs von vorn.
Abgänge: Amelie Neumaier (beendet), Anna Reinders (FC Prague Raptors), Elena Roth (Pause), Mara Staude (beendet)
Neuzugänge: Felina Hommel, Paula Laub, Anna Luisa von Rhein, Mia Wald (alle U23)
Foto: Paul Zottmann