Ein anspruchsvolles Testspiel gegen den tschechischen Erstliga-Aufsteiger, Teambuilding und gemeinsame Eindrücke aus Prag: Das Vorbereitungswochenende der Ersten bei den Prague Raptors war weit mehr als eine sportliche Standortbestimmung. Nach der bereits bestehenden Verbindung nach Bilbao sind die Raptors der zweite internationale Partnerverein der FWK-Frauen. Gemeinsam wollen die Vereine über Ländergrenzen hinweg voneinander lernen und ihre Talentförderung weiterentwickeln.
Die sportliche Aufgabe hatte Erstligaformat. Die Prague Raptors treten nach ihrem historischen Aufstieg erstmals in der höchsten tschechischen Frauen-Spielklasse an. Gegen den ambitionierten Aufsteiger erlebten die FWK-Frauen einen intensiven Leistungsvergleich, den die Gastgeberinnen am Ende mit 3:1 für sich entschieden.
Der in drei Abschnitten ausgetragene Test begann für die Würzburgerinnen mit einer schwierigen Phase. Die Raptors nutzten ihre hohe Intensität und entschieden den ersten Abschnitt mit 2:0 für sich. Anschließend stabilisierten sich die FWK-Frauen deutlich. Der zweite Abschnitt blieb torlos, der dritte endete 1:1. Damit gelang es der Mannschaft, sich zunehmend besser auf das Tempo und die Spielweise des künftigen tschechischen Erstligisten einzustellen.
„Ein internationaler Vergleich gegen einen Gegner dieses Niveaus ist für uns in der Vorbereitung ausgesprochen wertvoll“, erklärt Headcoach Marius Wiederer. „Die Raptors haben uns mit hoher Intensität und klaren Abläufen sofort gefordert. Entscheidend war, dass wir nach dem schwierigen ersten Abschnitt Lösungen gefunden und die beiden folgenden Spielabschnitte ausgeglichen gestaltet haben. Solche Begegnungen zeigen sehr präzise, was bereits funktioniert und woran wir weiterarbeiten müssen.“
Neben dem Testspiel standen Teambuilding-Maßnahmen und gemeinsames Sightseeing auf dem Programm. Die Spielerinnen konnten dadurch auch abseits des Platzes als Mannschaft enger zusammenwachsen und Prag als europäische Metropole kennenlernen.
Aufsteiger mit internationaler Ausrichtung
Die Entwicklung der Prague Raptors gehört zu den bemerkenswerten Geschichten des tschechischen Frauenfußballs. Noch 2018 spielte die Frauenmannschaft in der vierten Liga. Acht Jahre später gelang als Meister der zweiten Spielklasse erstmals der Aufstieg in die höchste nationale Liga. Parallel entwickelte der Verein seine Frauen- und Mädchenabteilung kontinuierlich weiter.
Verantwortet wird die sportliche Entwicklung von Lucie Martínková. Die langjährige Spielerin von Sparta Prag gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des tschechischen Frauenfußballs. Sie absolvierte 125 Länderspiele, gewann zahlreiche nationale Meisterschaften und Pokalwettbewerbe und wurde dreimal zur tschechischen Fußballerin des Jahres gewählt. Als Trainerin setzt sie auf mannschaftliche Geschlossenheit, individuelle Entwicklung und eine moderne Spielauffassung.
Der Aufstieg der Raptors steht zugleich für die wachsende Dynamik im tschechischen Frauenfußball. Neben den etablierten Spitzenvereinen entstehen zunehmend weitere leistungsorientierte Strukturen, die den Wettbewerb stärken und jungen Spielerinnen bessere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.
Zweite internationale Partnerschaft
Nach der bereits aufgebauten Verbindung nach Bilbao erweitern die FWK-Frauen mit den Prague Raptors ihr internationales Netzwerk um einen zweiten Partnerverein. Beide Kooperationen folgen derselben Grundidee: Talentförderung soll nicht ausschließlich innerhalb der eigenen Strukturen gedacht werden, sondern vom Austausch unterschiedlicher Fußballkulturen, Trainingsansätze und Ausbildungssysteme profitieren.
Die FWK-Frauen und die Prague Raptors verbindet der Anspruch, jungen Spielerinnen langfristige Perspektiven im leistungsorientierten Fußball zu bieten. Künftig soll der Austausch deshalb über einzelne Testspiele hinausgehen. Denkbar sind weitere Leistungsvergleiche, gegenseitige Hospitationen, gemeinsame Trainingsformate und ein kontinuierlicher fachlicher Austausch zwischen den Trainer:innen.
„Mit Bilbao haben wir bereits wertvolle Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit gesammelt. Prag ist nun unser zweiter Partnerverein außerhalb Deutschlands und ein weiterer wichtiger Baustein unserer langfristigen Entwicklung“, sagt die 1. Vorsitzende Gudrun Reinders. „Der Besuch bei den Raptors soll deshalb kein einmaliges Testspiel bleiben. Wir möchten einen verlässlichen Austausch aufbauen, von dem Spielerinnen, Trainer:innen und beide Vereine langfristig profitieren. Gerade im Mädchen- und Frauenfußball können wir viel gewinnen, wenn wir über regionale und nationale Grenzen hinausdenken.“
Das Wochenende in Prag war damit nicht nur der Beginn einer neuen Zusammenarbeit, sondern zugleich der nächste Schritt beim Aufbau eines internationalen Netzwerks für eine moderne und nachhaltige Talentförderung.