Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, als Sportverein Teil des europäischen Förderprogramms Erasmus+ Sport zu werden? Rein rechnerisch sprechen wir von gerade einmal 0,029 Prozent. Die Kickers-Frauen gehören zu den wenigen Vereinen, die diese besondere Möglichkeit nutzen können. Nach einem Besuch bei Athletic Club Bilbao im vergangenen Jahr führt die nächste europäische Fortbildungsreise unsere Trainer nun für eine Woche nach Prag. Auf dem Programm stehen drei Erstligavereine, hochkarätige Expertinnen und jede Menge Fußball.
0,029 Prozent. Also nicht 2,9 Prozent. Nicht einmal 0,29 Prozent. Sondern tatsächlich 0,029 Prozent. Eine Zahl, bei der selbst optimistische Statistiker zunächst einmal tief durchatmen müssen. So außergewöhnlich ist es für einen deutschen Sportverein, zu den geförderten Organisationen im EU-Programm Erasmus+ Sport zu gehören. Und die Kickers-Frauen sind mittendrin.
Von Würzburg über Bilbao nach Prag
Bereits im vergangenen Jahr führte uns der europäische Austausch zu unserem Partnerverein Athletic Club Bilbao. In dessen renommierter Nachwuchsakademie Lezama konnten unsere Trainer wertvolle Einblicke in die Talentförderung eines der traditionsreichsten Fußballvereine Europas gewinnen.
Nun geht die Reise weiter. Diesmal führt sie für eine Woche in die tschechische Hauptstadt Prag. Dort erwartet unsere Trainer:innen ein anspruchsvolles Fortbildungsprogramm mit drei Vereinen, die allesamt in der höchsten tschechischen Frauenliga spielen: Slavia Prag, Sparta Prag und die Prague Raptors.
Drei Erstligavereine, drei Perspektiven und jede Menge Expertise
Im Mittelpunkt der Fortbildungswoche stehen der fachliche Austausch und die Hospitationen im Trainingsbetrieb aller drei Vereine. Unsere Trainer werden erleben, wie auf höchstem nationalem Niveau trainiert, Talente entwickelt und Mannschaften geführt werden. Besonders spannend ist dabei die Vielfalt der Perspektiven. Neben dem unmittelbaren Einblick in Trainingsmethoden und sportliche Konzepte erwarten uns Gespräche mit Persönlichkeiten, die den tschechischen Frauenfußball auf ganz unterschiedliche Weise prägen.
So steht unter anderem ein Austausch mit der Head of Commercial von Slavia Prag auf dem Programm, bei dem es um die professionelle Entwicklung und Vermarktung des Frauenfußballs gehen wird. Eine 129-fache tschechische Nationalspielerin wird ihre Erfahrungen aus dem internationalen Spitzenfußball einbringen.
Und eine tschechische FIFA-Schiedsrichterin eröffnet zusammen mit einer deutschen Bundesliga-Schiedsrichterin den Blick auf das Spiel aus einer weiteren, nicht weniger interessanten Perspektive. Eine Kombination, die sportliche, organisatorische und persönliche Aspekte des modernen Frauenfußballs zusammenführt und weit über die klassische Trainerfortbildung hinausgeht.
Europäisch lernen, am Heuchelhof besser werden
Für die Kickers-Frauen ist die Teilnahme an Erasmus+ Sport dabei weit mehr als eine außergewöhnliche Fortbildungsreise. Sie ist Bestandteil unseres Anspruchs, die Nachwuchsförderung und die Qualität unserer sportlichen Ausbildung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn gute Talentförderung beginnt mit gut ausgebildeten Trainer. Wer jungen Spielerinnen neue Perspektiven eröffnen möchte, muss bereit sein, auch die eigene Arbeit regelmäßig zu hinterfragen, neue Ansätze kennenzulernen und von anderen zu lernen.
Genau darin liegt der besondere Wert des europäischen Austauschs. Unterschiedliche Fußballkulturen, verschiedene Ausbildungssysteme und neue methodische Ideen schaffen Impulse, die anschließend in die tägliche Trainingsarbeit am Heuchelhof einfließen sollen. Gleichzeitig bietet das Programm die Gelegenheit, bestehende Kontakte zu vertiefen und ein nachhaltiges europäisches Netzwerk im Mädchen- und Frauenfußball aufzubauen.
Dass wir als ambitionierter Amateurverein auf diese Weise unmittelbar vom Wissen und den Erfahrungen europäischer Spitzenvereine profitieren können, ist keineswegs selbstverständlich. Umso mehr freuen wir uns auf eine Woche voller neuer Eindrücke, intensiver Gespräche und gemeinsamer Lernerfahrungen.
Statistisch gesehen dürfte diese Reise einen ziemlich hohen fachlichen Ertrag versprechen. Dazu kommen europäische Freundschaften, wertvolle Impulse für unsere Nachwuchsarbeit und natürlich jede Menge Fußball.
Genauer gesagt: 290 Prozent Fußball. Denn manchmal sind die besten Dinge im Fußball eben jene, die statistisch gesehen eigentlich höchst unwahrscheinlich sind.
Foto: FWKFRAUEN