Die FWK Frauen stehen unter den besten acht Mannschaften im bayerischen Verbandspokal. Nach 90 Minuten voller spielerischer Kontrolle, aber ohne die entsprechende Ausbeute, fällt die Entscheidung vom Punkt. Dort behalten die Würzburgerinnen die Nerven und ziehen mit einem 3:2 nach Elfmeterschießen ins Viertelfinale ein.
Manchmal erzählt das Ergebnis eines Fußballspiels nur einen kleinen Teil der Geschichte. 73 Prozent Ballbesitz, 345 angekommene Pässe gegenüber 100, 14:5 Schüsse und ein Verhältnis von 8:1 bei den Eckbällen dokumentieren ein Achtelfinale, das über weite Strecken in eine Richtung lief. Nur auf der Anzeigetafel wollte sich diese Überlegenheit lange nicht niederschlagen. Nach einem Rückstand in der 37. Minute mussten die Kickers Frauen Geduld beweisen. Julia Asam sorgte in der 69. Minute für den längst verdienten Ausgleich. Nach 90 Minuten stand es dennoch 1:1. Die Entscheidung musste vom Elfmeterpunkt fallen.
Viel Ball, viele Abschlüsse, nur ein Tor
Dabei hatten die Würzburgerinnen die Partie spielerisch weitgehend unter Kontrolle. Die Zahlen zeichnen ein ungewöhnlich klares Bild. Fast drei Viertel des Ballbesitzes entfielen auf das Team von Headcoach Marius Wiederer. Die FWK Frauen kamen auf 15 Abschlussversuche und 14 registrierte Schüsse, erspielten sich acht Eckbälle und ließen über die gesamte Spielzeit nur fünf gegnerische Schüsse zu. Vor allem die Passstatistik unterstreicht, wie deutlich die Kickers Frauen das Geschehen mit dem Ball bestimmten.
Was fehlte, war einzig die konsequente Übersetzung dieser Dominanz in Tore. So entwickelte sich aus einer Partie mit klaren Kräfteverhältnissen ein Pokalabend, der zunehmend auch zu einer mentalen Prüfung wurde. Der Rückstand nach 37 Minuten veränderte daran wenig. Würzburg blieb bei seinem Spiel, hielt die Kontrolle und suchte weiter nach Lösungen. Als Julia Asam in der 69. Minute das 1:1 erzielte, war dies die logische Folge des zunehmenden Drucks. Der zweite Treffer aber wollte trotz der deutlichen Überlegenheit nicht mehr fallen.
Als Fußball zum Nervenspiel wird
Damit begann nach dem Schlusspfiff ein völlig anderes Spiel. Ballbesitz, Passquoten und Abschlusszahlen waren plötzlich bedeutungslos. Elf Meter zwischen Ball und Tor entschieden darüber, ob eine über 90 Minuten kontrollierte Partie mit dem Einzug ins Viertelfinale belohnt werden würde. Und auch dort verlief der Weg keineswegs geradlinig. Mehrfach fanden die Würzburger Versuche nicht ihr Ziel. Jessica Miller traf schließlich zum zwischenzeitlichen Ausgleich im Elfmeterschießen, ehe Nina Schulz den entscheidenden Würzburger Strafstoß verwandelte. Als anschließend der letzte gegnerische Versuch vergeben wurde, war das 3:2 und damit der Viertelfinaleinzug perfekt.
Für die Kickers Frauen ist dieser Erfolg deshalb mehr als nur das Weiterkommen in einem KO Wettbewerb. Die Mannschaft hat eine Partie gewonnen, in der sie lange überlegen war, ohne dafür auf der Anzeigetafel belohnt zu werden. Sie hat einen Rückstand beantwortet, auch nach ausgelassenen Möglichkeiten ihre Linie behalten und schließlich eine Entscheidung vom Punkt für sich erzwungen. Nach dem 3:1 in der ersten Pokalrunde steht der FC Würzburger Kickers Frauen nun in der Runde der besten acht Teams Bayerns. Spielerisch war dieser Abend von Kontrolle geprägt. Entscheidend wurde am Ende etwas anderes: die Fähigkeit, einen komplizierten Pokalabend trotzdem zu gewinnen.
Foto: Paul Zottmann